In einer multimedialen Ausstellung werden Leopold Grün und Dirk Uhlig am 28.5. ab 19 Uhr in der WIR-AG, Martin-Luther-Straße 21, 01099 Dresden, Details der Rechercheergebnisse zum Projekt DAS LETZTE SCHIFF (AT) präsentieren.
Eine lang verborgene Familiengeschichte, die von Faschismus, Judenverfolgung, Exil und Kaltem Krieg erzählt. In der bisherigen Recherche sind bereits mehr als 500 Seiten Aktenmaterial aus den Staatsarchiven Dresden, Zwickau und Hamburg dazu aufgetaucht. Zudem finden sich Unterlagen und Briefe in privaten und anderen Archiven.
Zum Hintergrund:
Als Jude erlebt Wolfgang Grün in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre die zunehmende Ausgrenzung im nationalsozialistischen Dresden. Mehrmals wird er arbeitslos. Als junger Vater zweier Kinder kann er nicht ausreichend für seine Familie sorgen. Die Ehe gerät in eine Krise. 1937 wird er denunziert. 1938 wird Wolfgang Grün der Prozess gemacht – das Urteil: Rassenschande. Für die Dauer von 15 Monaten muss er ins Zuchthaus. Kurz vor Kriegsbeginn emigriert er 1939 mit einem der letzten Schiffe von Genua aus nach Shanghai.
Seine Mutter Frida Grün muss 1941 in ein Dresdner Judenhaus ziehen. Als sie 1942 auf dem Weg zurück von der Zwangsarbeit in der Straßenbahn einen Schwächeanfall erleidet und sich auf einen Sitzplatz begibt, wird sie von der Gestapo inhaftiert und nach Ravensbrück deportiert. 10 Tage später wird Frida Grün in Auschwitz ermordet. Wolfgang Grüns Schwestern Ruth und Erika werden 1941 nach Riga deportiert, danach ins KZ Stutthof verlegt.
In Shanghai erhält Wolfgang Grün anfangs Unterstützung durch die jüdische Gemeinde und arbeitet als Mechaniker. Ab 1942 muss er unter der japanischen Besatzung im Shanghaier Ghetto Hongkew leben. Nach Kriegsende arbeitet er als Schlosser und betreut den Fuhrpark der amerikanischen Botschaft in Nanking. Zurück in Shanghai, betreibt er eine Autowerkstatt. 1951 wird er von den Kommunisten der Spionage für die Amerikaner verdächtigt und kommt erneut in Haft.
Nach zwei Jahren Gefängnis wird Wolfgang Grün 1953 nach Hongkong abgeschoben, von dort gelingt ihm die Rückkehr nach Deutschland. In Hamburg versucht er mit Unterstützung der Anwaltskanzlei Rosenhaft in mühsamen Rechtsverfahren Wiedergutmachungsleistungen zu erlangen.
Nach einer kurzen Wiederbegegnung mit seiner ehemaligen Frau Thea und seinen Söhnen Konrad und Rainer 1953 in Hamburg bricht der Kontakt zur Dresdner Familie in der DDR für 33 Jahre vollkommen ab. 1988 stirbt Wolfgang Grün.
Diese Veranstaltung ist Teil der Geschichtswerkstatt „Knotenpunkt Deportationen Dresden“ des Förderkreises Alter Leipziger Bahnhof und Partnerinstitutionen.
Förderhinweis:
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten aus Steuermitteln auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.


