Bild: Ronnie Gross

Artist talk – Ronnie Gross: Writing and Living in a Ceasefireless World

27 Aug

Artist Talk

Writing and Living in a Ceasefireless World

Ronnie Gross über Verlust, Trauer und Hoffnung nach dem 7. Oktober
Ein Gespräch in englischer Sprache.

Datum: 27. August 2026

Uhrzeit: 19:00 Uhr

Ort: Hanse3 e.V., Hansastr. 3, 01097 Dresden

Eintritt: frei | Anmeldung erforderlich

Während die Ereignisse des 7. Oktober 2023 das Leben unzähliger Menschen weiterhin überschatten, prägt zunehmend die fortdauernde Realität einer „Ceasefireless World“ das Empfinden vieler: die Realität einer Welt, die keinen Frieden mehr kennt und ihn nicht einmal mehr als selbstverständlichen Ausgangspunkt anstrebt. Der 7. Oktober hat auch die Art und Weise, wie die Schriftstellerin und Trauerbegleiterin Ronnie Gross Leben, Liebe und Verlust erfährt, dauerhaft verändert.

Die Ermordung von Ronnies Freundin Carmel Gat sel. A. in der Geiselhaft der Hamas bildete den Ausgangspunkt einer Grenzerfahrung, die sie zwang, ihr Verständnis von Trauer und menschlicher Widerstandsfähigkeit neu auszuloten. In ihrem Gefolge kam eine Lawine weiterer Verluste: von persönlichen Beziehungen, Geborgenheit und schließlich der Gewissheit des eigenen Seins. Unter dem Eindruck dieser Erfahrungen begann Ronnie Gross mit einem Tagebuch, dem Grief and Travel Journal, aus dem Auszüge im Jahrbuch Jüdische Realitäten nach dem 7. Oktober des Vereins werkraum bild+sinn e.V. veröffentlicht wurden. Dieses Journal ist keine Chronik von Ereignissen. Es ist vielmehr der Versuch, zu ergründen, wie man in einer Welt menschlich bleibt, in der weder innerlich noch äußerlich je die Waffen ruhen.

Aus den Aufzeichnungen der vergangenen zwei Jahre verwebt Ronnie Gross in ihrem Vortrag Eindrücke und Reflexionen über das Leben im Krieg, über Vertreibung und Flucht sowie über die damit verbundenen tiefgreifenden persönlichen Veränderungen. Statt nach Erkenntnissen zu suchen, erkundet sie die Möglichkeiten, offen zu bleiben – für Schönheit, für Leiden und für die vielen Widersprüche – und in einer Welt menschlich zu bleiben, in der dies eine nie endende tägliche Anstrengung bedeutet.

Momente und Eindrücke in Israel während des Krieges, aber auch während verschiedener Reisen durch Europa verdichten sich in Ronnie Gross’ Vortrag zu einer Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Trauer und Gemeinschaft. In ausgewählten Texten untersucht sie, wie diese Erfahrungen ihre Identität und ihr Gefühl von Zugehörigkeit neu formten. Als Kontrast greift der Vortrag ruhige Momente und die Arbeit am Alltag auf: ausgedehnte Spaziergänge durch Wälder, die Übersetzung von Francis Wellers Buch The Wild Edge of Sorrow, die Ausbildung zur Psychotherapeutin und die Entdeckung, wie das alltägliche Schöne zu einem Akt des Widerstands werden kann.

Im Zentrum des Vortrags steht die Idee von Realitäten – im Plural und als Gegensätze. Liebe und Wut. Angst und Sicherheit. Schönheit und Verwüstung. Zugehörigkeit und Ausschluss. Das Bedürfnis zu gehen, das Bedürfnis zu bleiben. Statt zwischen diesen Realitäten zu wählen, erkundet der Vortrag, wie scheinbar gegensätzliche Wahrheiten gemeinsam existieren können, ohne dass sie auf Gewissheit reduziert werden müssen. Mehr als ein Vortrag ist die Veranstaltung deshalb eine Einladung, einander zuzuhören. Ausgehend von ihrer Arbeit als Autorin, Übersetzerin, angehende Therapeutin und Trauerbegleiterin öffnet Ronnie Gross einen Raum, in dem Schreiben zu einer Form der Zeugenschaft wird und Zärtlichkeit und Schrecken Seite an Seite existieren dürfen.

Die Veranstaltung umfasst Lesungen aus dem Newsletter, persönliche Reflexionen und ein Gespräch mit dem Publikum.

ACHTUNG: Zur Teilnahme ist eine Anmeldung via Online-Formular nötig: https://alter-leipziger-bahnhof.net/anmeldung-juedische-realitaeten/


Gefördert durch:

Diese Maßnahme wird mitfinanziert aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.